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Die Hexenjagd
Dietmar Rudolfs letzte Inszenierung an der HIB.
Arthur Millers Hexenjagd. Da geht es um Hexerei, um Priester und Todesurteile, worum auch immer, nichts, was mich heute berühren könnte... dachte ich. Aber schon Miller ist es nicht wichtig, zu beschreiben, was im "finsteren Mittelalter" alles so schlimm war, sondern zu zeigen, dass es auch in seiner Zeit - der McCarthy-Ära, in der besagter Senator einen "Ausschuss für antiamerikanische Umtriebe" installiert hat, dieselben Vorgänge, ja, Menschen gibt. Und wie zu jeder Zeit ist auch heute sein Stück von "verkniffenen, prüden Hütern der Ordnung, Intriganten, Außenseitern, Rechtschaffenen ohne jeden Skrupel, Geschäftstüchtigen, die bei der Erfüllung des göttlichen Willens ganz nebenbei ordentlich absahnen, und natürlich denjenigen, die einfach ausführen, was die Obrigkeit anschafft" (so unser Regisseur Dietmar Rudolf im Geleitwort) aktuell wie eh und jeh.
Was schreibt man jetzt aber als Darsteller über die Aufführungen, möglichst ohne Selbstlob? Ich kann nur sagen, dass es mir auf und hinter der Bühne Spaß gemacht hat und ich sicher bin, dass wir das Publikum nicht ganz kalt gelassen haben.
Jetzt fehlt der Teil, in dem es um lustige Anekdoten aus dem Leben der Theaterspieler geht, denn mir liegt etwas anderes am Herzen: dass die Hexenjagd Dietmar Rudolfs letzte Inszenierung an der HIB sein wird, das letzte Mal, dass unser Regisseur am Piano sitzt und nervös den Text mitspricht. Und wenn mir das nach nur einem Jahr Theatergruppe vielleicht auch nur wenig zusteht, muss ich sagen, dass es einem Nachfolger schwer möglich sein wird, ähnlich viel Einsatz, Arbeit und Emotionen in unsere Theatergruppe einzubringen wie er. Vielleicht hatte ich das Glück, genau in einem Jahr dabei zu sein, wo all das besonders zum Tragen kommt. Denn dass die Gefühlsbäder von Anspannung, Euphorie, Lampenfieber und Nervosität sich jedes Jahr so erbarmungslos über die Theaterspieler ergießen, will ich nicht hoffen.
Ich weiß nicht, wie man einem Menschen, noch dazu vor Publikum, sagen soll, wie sehr man ihn schätzt. So indirekt wie ich es mit dem letzten Satz gerade versucht habe, scheint es mir aber auch unpassend. Dietmar Rudolf, und den Professor spare ich mir jetzt, ist ein besonderer Lehrer, nein, Mensch. In der ersten Klasse wusste ich ihn noch nicht so recht einzuschätzen und sein deutsches Deutsch war mir etwas suspekt. Seinen Spitznamen RuDi fand ich solange gut, bis er nach immerhin 6 Jahren meinte, er hasse ihn, habe ihn noch nie leiden können, denn er würde ihn zu sehr an "Rudi Ratlos" erinnern, mit dem er nicht gerade identifiziert werden möchte. Ja, natürlich hab ich Rudi Ratlos in seine Ausgabe der Hexenjagd geschrieben, wenn auch klein und mit Bleistift. Und eine Revanche dafür, dass Willard bei dem Satz "das war nur eine alte, dumme Kuh" ganz deutlich auf unseren Kühe imitierenden Regisseur gezeigt hat, steht auch noch aus. Aber wenn ich mich in unseren Musik- und Theaterstunden auch nur selten von derlei Scherzen zurückgehalten habe, Rudi Ratlos, äh, Verzeihung, Dietmar Rudolf kann gut damit umgehen. Wenn auch einmal etwas nicht passt, wird darüber gesprochen, sei es fehlende Textsicherheit vor einer Aufführung und entsprechende Panik oder schlicht mangelnde Mitarbeit im Musikunterricht (soll es in der Unterstufe mal gegeben haben). Ich hab mir mehr Lehrer wie ihn gewünscht. Stattdessen verliert ihn die HIB nächstes Jahr. Nun ja, zumindest gewinnt ihn eine andere Schule.
Dietmar Rudolf geht. Dass wir's uns anders wünschen weiß er. Dass es für ihn nicht leicht ist wissen wir. Aber vielleicht gelingt es ihm in seiner neuen Schule zumindest, das "RuDi" los zu werden.
