Die 8a in Straßburg
Difficile est satiram non scribere, denn dann wäre alles was ich schreiben könnte, dass Straßburg eine durchschnittlich interessante Stadt ist, die Reise im Zug ganz OK war und das EU Parlament ein beeindruckender Bau in dem über die Zukunft Europas entschieden wird – ergo satiram scribam.
Kurzzusammenfassung unseres Ausflugs für alle Mitschüler
Liebe Schüler der HIB! Um keinen Neid aufkommen zu lassen, möchte ich zunächst unseren Ausflug für euch in aller Kürze schildern. Straßburg ist die historische Hauptstadt des Elsass. Die Stadt ist Hauptstadt der Region Elsass sowie Präfektur des Départements Unterelsass (Bas-Rhin). Die Präfektur verwaltet auch die beiden Arrondissements Strasbourg-Campagne und Strasbourg-Ville (von 1871 bis 1919 die Kreise "Straßburg (Land)" und "Straßburg (Stadt)"), sie bestehen aus 8 bzw. 10 Kantonen. Straßburg ist Kernstadt und größte Gemeinde im Elsass, in Bas-Rhin und im Stadtverband Straßburg (CUS).
Die Zugfahrt dorthin ist anstrengend und teuer, außer dem Münster gibt’s nicht viel zu sehen.
So, mehr müsst ihr eigentlich nicht wissen.
Damit verabschieden wir uns von den Schülern und –innen.
Die 8a im Herzen Europas
Ja, wir, die 8a waren in Straßburg im EU Parlament. Andere mussten dazu immerhin eine nationale Ausscheidung bestehen! Die wollten dann auch mit ihren Anzügen und Mappen voller wichtiger Informationen imponieren. Nein, die 8a zu beeindrucken gelingt höchstens noch der EU-Architektur. Hätte man anstatt dieses Gebäude zu bauen, begonnen, Geld zu verbrennen – es würde immer noch lodern! Und immerhin könnten sich die Parlamentarier ja auch in Brüssel treffen, wo ja noch einmal ein Parlament steht. Aber gut, so hat man die Möglichkeit zur EU-Werbung alle paar Wochen ein paar hundert Schüler einzuladen, ins Herz Europas.
Dort wird Demokratie und Gleichheit gelebt. Gleichheit vor allem bei den Toiletten, denn die gleiche Toilette müssen sich etwa 500 SchülerInnen teilen. Weniger Gleichheit schon beim Essen, wo Lehrermägen bevorzugt behandelt werden. Aber gut, es ging ja nicht um solche körperlichen Bedürfnisse, sondern vor allem für die geistigen ist das Parlament da. Hier lernt man, was Politik ausmacht: Warten, mit vielen Worten nichts sagen und schließlich über dieses Nichts abstimmen. Für die Zukunft sehe ich übrigens eine Vorherrschaft der Schwedinnen. Denn, wie sich bei ersten Abstimmungen zeigte, werden diese hübschen blonden Damen doch recht gerne gewählt. Warum auch nicht.
Einer der im Anzug Angereisten bemühte sich dann jeden Satz mit „My fellow Europeans!“ zu beginnen. Ja, meine Miteuropäer, Europa ist schon eine feine Sache. Europa, liebe Miteuropäer, das ist ein Staat, der keiner ist, mit vielen Hauptstädten zwischen denen viele wichtige Menschen hin- und herreisen, um eine Entscheidung nach der anderen zu treffen. Europe, my fellow Europeans, is a place, where translators are known as interpreters. Und vieles, das gesagt wird, muss auch erst einmal interpretiert und richtig gedeutet werden, um es verstehen zu können. Denn wie sollen sonst die vielen verschiedenen Wirklichkeiten in denen die einzelnen Nationalitäten leben zu einer großen europäischen werden? Es scheitert nicht nur am Verstehen der Sprache - die 732 Abgeordneten sprechen ja alle in der eigenen und der Rest hört dann die Übersetzung - ich zweifle daran, ob man sich überhaupt besser verstehen würde, gäb’s die Sprachbarrieren nicht. Man sieht’s ja schon an der Einstellung zum Spiel, in diesem Fall dem Eurogame. Wir Österreicher schauen erstmal gemeinsam, wie man das lösen könnte, mit den „Regeln“ halten wir’s nicht so genau. Dann gehen wir zu anderen und legen ihnen nicht ohne Stolz unsere Antworten hin. Doch was muss ich da von einer Gruppe hören? Nein, wir würden es gerne selber probieren! Nein. So eine Einstellung wird mir immer unverständlich bleiben.
Prof. Schneider versucht von einem Italiener einer anderen Gruppe Informationen einzuholen. Und der bleibt stumm, er will eben selber gewinnen. Ja, Zusammenhalt gibt’s anscheinend nur im Kampf gegen andere. Schade eigentlich.
Zusammenarbeit auf einer anderen Ebene funktioniert bei der Bahn auch schon ganz prächtig. Franzosen, Deutsche und nicht zu letzt Österreicher greifen hier Hand in Hand, um euch, my fellow Europeans, so entspannt wie eben möglich durch Europa zu kutschieren.
Reisen mit der ÖBB – Nur Fliegen, Autofahren, Zufußgehen und jede andere Art der Fortbewegung ist schöner!
Liebe österreicherischen Bundesbahnen,
ich habe großes Verständnis, wenn Züge Verspätung haben. Ich sehe ein, dass im Winter nicht unbedingt mit Schneefall zu rechnen ist und es somit wenn’s dann doch schneit natürlich etwas länger dauert.
Ihr Personal wirkt immer Kompetent, ist ambitioniert und wartet gerade so darauf, dass man als Bahnkunde mit einem Anliegen zu ihm kommt.
Und wo die Qualitäts- und Komfortansprüche so hoch liegen, wie bei der ÖBB, ist es auch allemal gerechtfertigt, dass die Fahrt ins Herz der EU für unsere Klasse mit über 2000 Euro zu Buche schlägt.
Nur - und das ist auch schon alles, was ich an Kritik einbringen möchte - ließ sich einer meiner Kameraden zu der Äußerung hinreißen, die Dienstbekleidung der deutschen Kollegen sei eindeutig stilvoller. Aber was an elegantem Outfit fehlt, das machen Sie mit jener einmaligen charmanten Art wett, für die sich eine Fahrt mit der ÖBB immer wieder lohnt.
So ist es geradezu ein Vergnügen nach 40 Minuten die uns die ÖBB an Mehraufenthalt in Straßburg geschenkt hat, von einem (oder einer, wir konnten diese Entscheidung nach so vielen Abstimmungen im EU Parlament einfach nicht mehr treffen) Ihrer französischen KollegInnen sogleich darüber in Kenntnis gesetzt zu werden, dass der Wagon, der für uns bestimmt war, leider nicht da ist. Ja, auch dass gehört zu einem zusammenwachsenden Europa, dass Franzosen, Deutsche und Österreicher gemeinsam Fehler machen. Doch nennt sich der Zug immerhin Orient Express und wenn da auch weder von Orient noch von Express etwas zu spüren ist, so doch sicher von jenem kriminalistischem Flair das schon das Original umgibt; denn hier ist der Scharfsinn eines Hercule Poirot gefragt: Könnte nicht jener leere Wagon ganz vorne der unsrige sein? Doch da brennt kein Licht. Hat etwa jemand den Stecker gezogen? Jetzt! Es blickt, rattert kurz. Nein, doch nichts. Man mag es kaum glauben, dass der ÖBB so etwas passiert - der Wagon ist schlicht kaputt! Das einfache Rätsel, wie wir um unsere reservierten und bezahlten Plätze gekommen sind, wäre damit gelöst, doch die ÖBB lassen sich nicht lumpen und besänftigen uns mit einem beinahe schon finanzministerlichem Upgrade: Liegewagen! Wir möchten auch ungern noch mehr Umstände machen und beschließen so, unser Abteil eigenhändig zur Schlafstätte von sechs Personen umzurüsten; doch fehlt das passende Werkzeug. Schweren Herzens bitten wir nun eine ÖBB Fachkraft um Beistand, doch mit einiger Verwunderung entgegnet sie uns mit Empörung. Ich denke, dass kann nur daran liegen, dass es für das so einmalige ÖBB Personal bis dato nicht einmal denkbar war, dass der Kunde die Arbeit eigenhändig übernimmt. Ja, da ist Empörung und Mahnung angebracht! „Wie komme ich eigentlich dazu! Mitten in der Nacht! Dass I do umbauen onfong?! Und noch dazu bin ich krank!“
Einer meiner Kameraden meinte sodann in einem der Institution ÖBB unangemessenen Tonfall, dass sich in der aktuellen Konfiguration des Abteils höchstens ein Blättchen Wurst zwischen den zwei Etagen betten könnte. „Was wollt’s denn? Ihr habt’s Sitzplätze bezahlt also seits froh! Des gibt’s eben in einer Ausführung für 4 und für 6“
Ich merkte dann in aller gebotenen Höflichkeit und im Versuch, auf diesen „Fehler“ der ÖBB hinzuweisen, ohne ihn dabei gleich drastisch als „Fehler“ dazustellen, an, dass es sich bei uns aber tatsächlich um sechs Personen handle. Etwas mürrisch – zu Recht, wie ich sagen muss – wurde die eben debattierte Arbeit dann mit passendem Imbussschlüssel in 30 Sekunden erledigt und noch ein letztes Mal beinahe mütterliche Fürsorge kundgetan: „Seit’s ihr wahnsinnig, des is jo alles nit gesichert! Wenn do wos passiert!“
Ja, liebe ÖBB, ich möchte schon fast sagen, wenn mit eurer Planung, euren Zügen, die jedem Stauballergiker das Fürchten lehren (in unserem Abteil immerhin 50%) und nicht zuletzt mit eurem Personal nicht tatsächlich sehr bald sehr viel passiert, dann ist die Ära der Bahnfahrt in Österreich hoffentlich bald vorbei, und da fährt dann, wie Professor Hawle es einmal formulierte, der Tisch drüber!


